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Far Niente 2017

5 Tage auf See im Hundeleben eines Neu-Reichenauers – ein Reisetagebuch

Bevor ich von meinem Abenteuer auf der „en vie“ erzähle möchte ich mich kurz vorstellen: Mein Name ist Tiger, 7 Jahre, und seines Zeichens mutigster Seehund in der Geschichte der Far Niente.

So und nun zum Geschehen – eigentlich begann alles recht harmlos: Anna, Nina und Hannes (meine Leithunde) haben die Taschen gepackt. Ich dachte „super – schon wieder umziehen“, aber nein. Diesmal sollte es für ein paar Tage auf dieses schwimmende Holzding am Hafen gehen, das immer so schaukelt, irgendwas mit 30er Schärenkreuzer oder so – soweit so gut.


07. August – Tag 1:

Am Montagmorgen traf ich mit meinen Frauchen per Auto im Radolfzeller Hafen ein und stieß auf ein ganzes Rudel wilder Segler, Herrchen war auch schon da. So wie ich das verstanden habe haben die sich dort mit so rotem und brauen Zeug erst mal kräftig Mut angetrunken – wie folgend übrigens jeden Morgen; Menschen! Ich hab mich derweil etwas mit Schwanenparfum eingeduftet, was Frauchen wohl nicht so mochte, denn sie hat mich daraufhin ganz fies eingeschäumt und unter die Dusche gestellt.

Wie ein begossener Pudel kletterte ich dann aufs Schiff, denn es ging auch schon los in Richtung Martinswerft. Hab mich erst mal unter Deck verkrochen, aber da die Sonne so schön gescheint hat und es überhaupt nicht geschaukelt hat bin ich mit an Deck gekommen und hab die anderen vier Schiffe beobachtet, das geht von der letzten Position ganz hinten aus ja immer ganz gut.

Der Wind ließ auf sich warten also hat es ein wenig gedauert, bis wir schließlich nachmittags nach einem erfrischenden Sprung ins Wasser in der Werft ankamen. Endlich wieder fester Boden unter den Pfoten … Und hier fiel zum ersten Mal der Begriff „Anlegebier“, den ich die Tage noch einige Male zu hören bekommen sollte…

Abends dann haben die Menschen gefeiert bei einem leckeren Grillbuffet am Ufer. Bis es dunkel war wurde gegessen, getrunken und gelacht. Frauchen hat am besten der rasende Koch in seiner weißen Kutte auf dem Roller gefallen. Und ich hatte genügend Zeit, um die Gegend abzuschnüffeln – super; so gefällt mir das – ich glaube das Seehundleben ist gar nicht so übel.


08. August – Tag 2:

Nach der Seemannsbesprechung um elf am nächsten Morgen und der Pflege müder verknautschter Gesichter fiel um ca. 12:00 der Startschuss in Richtung Steckborn.

Diesmal war es recht ungemütlich und schon bald hat der Regen auf uns gepeitscht.

Auf dem Weg in das Schweizer Örtchen hat dann auch noch der Wind ordentlich zu pusten begonnen, ich hab mich lieber unter Deck in meine Hängematte verkrochen, meine Crew musste ganz schön ackern, bis sie schließlich pitschnass aber heil und glücklich im Steckborner Hafen anlegen konnte.

Abends machten wir dann einen schönen Spaziergang in das nette Restaurant „Schwanen“, wo uns Maria und Paul bereits zu einem leckeren Essen und viel Bier und Wein erwarteten. Hab jedes Eck auf dem Weg schön markiert, dass die Schweizer Köter sich auch richtig an mich erinnern.


09. August – Tag 3:

Nach einem geselligen, feucht fröhlichen Abend in der Schweiz ging es heute weiter in Richtung Öhningen am anderen Rheinufer. Nicht aber ohne vorher noch das Seezeichen 7 zu umrunden, bzw. den Versuch dahin zu unternehmen. So der Plan der Rennleitung. Warum fahren die Menschen mit Ihren Schiffen immer solche Umwege? Das hab ich noch nicht kapiert, aber Frauchen beantwortet meinen fragenden Blick einfach nicht, hmmmm.

Mein Team, diesmal in vorletzer Beobachterposition, wurde schließlich von Dieter, Bärbel und Anita mit der Sixpack in den Hafen gezogen, weil der Wind wieder weg war.

Im Segelclub Öhningen angekommen wurden wir mit einem leckeren Buffet und diesem bereits genannten „Anlegebier“ begrüßt. Frage mich langsam, warum ich immer nur ein Schwimmbecken voller Wasser zum Schlabbern bekomme, mir würde dieses „Anlegebier“ mit Sicherheit auch schmecken!

Abends gab es dann ein herrliches Essen und Schüttelsalat. Das hat meine Menschen amüsiert. Mich auch – Ihr hättet mal die Gesichter sehen sollen als der nette Mann mit dem lustigen Dialekt die Salatgläser verteilt hat. Für mich fiel auch ein leckeres Stück Fleisch und ein Spätzle ab. Brav!

Ich bin mit Frauchen dann ins Schiff, die hat geschwächelt, aber der Großteil der 16-köpfigen Runde ist glaub noch ganz schön verhockt. Segler haben Ausdauer sag ich Euch...


10. August – Tag 4:

Der Donnerstag hat recht nass begonnen. Also richtig nass mein ich. Man wusste nicht richtig wo der Himmel aufhört und der See anfängt, da hatte es auch nichts genützt, die nur spärlich vorhergesagten Regenlöcher abzuwarten.

Nachdem Ralf – the Zimmerman – Blum noch kurz das Öhninger Segelvereinsheim unter Einsatz seines Lebens vorm Ertrinken gerettet hatte sind wir dann auch schon in See gestochen - mit Motor wohlgemerkt, weil es Katzen gehagelt hat. Ich muss an dieser Stelle wohl nicht erwähnen, dass ich als reinrassiger, ausgewachsener mega-männlicher Chihuahua-Rüde diese fiesen Katzen zutiefst verachte? Aber das nur nebenbei...

Pitschnass, müde, aber glücklich sind die Crews nach einer wirklich verregneten Überfahrt dann schließlich am frühen Mittag wieder im Yachthafen Radolfzell eingetroffen. Glücklicherweise hatte das Vela Kaffee und Kuchen (wenn auch keinen Hundekuchen, aber ok) für uns, so dass wir uns bei einer warmen Tasse die Pfoten wärmen konnten.

Anna, Nina und ich haben uns dann auf den Nachhauseweg gemacht, die anderen knallharten Menschen hatten den Erzählungen zufolge in Radolfzell einen kulinarisch interessanten, experimentellen Abend inklusive Kaumuskelschwäche und Übelkeit. Da lob ich mir doch meine Kaustangen!


11. August  – Tag 5:

Der Freitag sah wettertechnisch leider nicht wirklich besser aus. Der Segeltrip in Richtung Reichenau verlief zwar erst recht trocken, nachdem der Jochen und die Ingrid mit ihrem Schiff jedoch noch unbedingt den Seeboden pflügen wollten (so hab ich das jedenfalls verstanden) – und dann natürlich aufsaßen – verlief die Rettungsaktion unter dicken Regenwolken. Aber egal, denn die Aussicht war heiter, denn im Heimathafen erwarteten ich, Nina und das „Anlegebier“ die aufgeweichten Seekrieger. Ich habe mich riesig gefreut alle wiederzusehen und habe natürlich alle schwanzwedelnd willkommen geheißen:

Den Dieter, die Bärbel und Anita,
die Michi, den Schlotzi, die Sabine und den Friedbert,
die Constanze, Adrian, Severin und Vroni,
die Ingrid und den Jochen,
den Hannes und den Micha und auch die Maria und der Paul waren wieder mit von der Festpartie.

Da hatte ich ganz schön was zu tun sag ich Euch. Heute hab ich Muskelkater im Hinterteil, aber egal.

Ich habe mich als Seehund bei der Truppe wirklich wohlgefühlt, bin in den 5 Tagen so richtig zum Seeigel mutiert und stelle mich hiermit überaus gerne als neues Far Niente-Maskottchen zur Verfügung. Das nur so nebenbei.

Also bis zum nächsten Mal.

Mast und Schotbruch,


Euer Tiger